English below

 

Wie Schweizer Käse eine Szene  meiner historischen Fantasy inspirierte

Vor einer halben Ewigkeit (es muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein) war ich in Zürich beim „Seenachtsfest“, einem großen Straßenfest, das alle drei Jahre stattfindet. Wie es sich für eine solche Veranstaltung gehört, gab es eine Menge lokaler kulinarischer Köstlichkeiten. Besonders beeindruckt hat mich ein Raclette-Stand, an dem eine Steinplatte an Ketten über einem offenen Feuer hing. Auf dieser Platte lag ein  halber Käselaib, der ein kleines Stück über den Rand ragte. Immer wenn der Käse an der Schnittstelle geschmolzen war, wurde er mit einem großen Messer abgestreift und auf einem vorbereiteten Teller mit Gemüse und dunklem Brot verteilt. Abgesehen vom köstlichen Duft hatte der Vorgang etwas so Archaisches, Stimmungsvolles, dass mir die Szene in Erinnerung geblieben ist.
Als ich Jahrzehnte später die Protagonisten meiner Geschichte über den Markt einer Stadt spazieren ließ, tauchte diese Erinnerung wieder auf und wollte mit in den Text. Manchmal findet man Inspirationen an den unwahrscheinlichsten Orten, und man weiß nie, wozu eine Erinnerung nützlich sein kann…



How Swiss Cheese Inspired a Scene in My Historical Fantasy Novel


A long time ago (it must have been in the early ’90s), I was in Zurich at the “Seenachtsfest”, a large street festival that takes place every three years. As is customary at such events, there were plenty of local culinary delicacies. I was particularly impressed by a raclette stand where a stone slab hung from chains over an open fire. On this slab lay half a wheel of cheese, which jutted out slightly over the edge. Whenever the cheese had melted at the cut edge, it was scraped off with a large knife and spread onto a prepared plate with vegetables and dark bread. Aside from the delicious aroma, there was something so archaic and atmospheric about the process that the scene has stayed with me.
Decades later, when I had the protagonists of my story stroll through a town square, this memory resurfaced and demanded its way into the text. Sometimes you find inspiration in the most unlikely places, and you never know when a memory might come in handy again…